(von claudipr0)
Eine bröckelnde Fassade, ein senf-gelbes Treppenhaus. Die Tür steht schon offen. Weißer Lack, abgeblättert, knartscht ein wenig und klemmt über dem Fußboden, der mit wein-rotem Teppichboden belegt ist. An den Kanten hochstehend, abgenutzt und verdreckt.
Mein Blick schweift herum. Pinke Wandfarbe. Rechts die Küche klein, dreckig, unabgewaschenes Geschirr, aber vor allem Müll. Die Wandfarbe gras-grün und beige, blättert vom Putz. Dort ein lieblos aufgemaltes Blümchen, direkt über dem Küchentisch. Die Gardinen gräulich. Die Sitzecke abgenutzt, dort ein kleiner Campingstuhl. Der Tisch ist dreckig, ein Schüsselchen kalter Nudeln steht darauf, unberührt. Ein Metallregal, halb hoch, angerostet mit altem Toast und Zwiebeln. Links eine Tür. Die Dusche und das Waschbecken. Das Rohr war verstopft, im Waschbecken schwimmt eine orange Suppe, hier und da ein paar Stückchen, sieht nach Essensresten aus. Die Dusche schief, mit grauem Fleck in der Wanne. Die Decke darüber löst sich, ragt einen halben Meter nach unten, fast bis in die Duschkabine. Ein klaffendes Loch in der Tapete. Wie eine Platzwunde, mit der richtigen Färbung, denke ich. Zurück in der Küche, ein unscheinbarer Herd, Gas und alt, alte Schränke, speckig.
Das Zimmer gegenüber. Groß, hohe Wände. Violett, alte Möbel, orientalisch. Große Fenster. Hier und da bröckelt etwas von den Wänden, Chaos auf dem Boden. Sachen fliegen umher, da ein Schreibtisch. Dazwischen Stolpergefahren. Sofa ist besetzt, ein junges Mädchen mit einer Teetasse in der Hand. Grüßt verhalten, versteckt sich hinter der offenen Tür. Dielen auf dem Fußboden. Ein Katzenklo, ungereinigt neben der Tür. Katzenhaare.
Auf dem roten Teppich im Flur ein alter roter Läufer, vermutlich ein Perser, abgetreten. Kabel an der Wand, ein Staubsauger. Rechts oben ein Wasserfleck, darunter das Klo. Die Tür klemmt, alles rosa. Eine kleine Toilette direkt dahinter, kein Waschbecken, sehr dunkel und nur ein kurzer Blick.
Das nächste Zimmer, hell, noch größer. Hellblaue Wände, bröckelnd. Da, der Schrei von Munch einige Bücher, ein Laptop. Spielende Kinder, draußen auf dem Spielplatz. Eine Couch, auf der die Katze schläft. Hier und da verteilt einige Sachen auf der Erde, vor allem Bücherstapel.
Kehrt, der nächste Raum. Dunkel, dunkler. Schwarz-weiß Poster an der Wand, zwei sich küssende Frauen, Frühstück bei Tiffany. Ein Balkon mit einer Wäschespinne, verrostet, daneben eine Couch aus Stoff. Pflanzen, leblos, vertrocknet. Im Blumentopf alte Zigarettenstummel. Links eine dunkel gelbe Fassade, aufgeplatzte Farbe mit schwarzen Wasserflecken, ein Innenhof, weitere Balkone. Rechts ein wilder Wein in kräftigem Grün, lebendig an der Fassade rankend. Die Sonne steht tief, alles liegt im Schatten. Hinter mir Trostlosigkeit, matsch-grüne Vorhänge. Dahinter ein Schreibtisch. Neben dem Bett ein kleiner Raum, dunkles Kämmerchen. Ohne Tür, mit orange-rot kariertem Duschvorhang abgetrennt, als Schrank. Drinnen kein Licht, aber Verwüstung. Eine Tür geht ab zum Flur, das Ende.
Tausend Eindrücke.
Erlebniswohnen.

September 3, 2008 um 9:36 |
Wirklich detailliert, ich glaub jetzt kann ich mir die Bude lebhaft vorstellen…Waren auch kakerlaken da?
btw: mehr absätze
September 3, 2008 um 12:04 |
@ mullewapp: wird erledigt
September 4, 2008 um 10:07 |
willst du umziehen und deine geliebte Kartoffelbreiwohnung verlassen?
September 5, 2008 um 12:35 |
klingt nach osten